Angst vor Veränderung: Warum wir lieber unglücklich bleiben, als etwas zu verändern

Manchmal wissen wir längst, dass etwas nicht mehr stimmt und irgendwann kommt dann dieser Gedanke: „So kann es eigentlich nicht weitergehen.“
Du bist unzufrieden mit deinem Job, fühlst dich in deiner Beziehung schon seit längerer Zeit nicht mehr wirklich glücklich oder du merkst, dass dir eine Freundschaft mehr Kraft raubt, als sie dir gibt. Vielleicht gibt es auch gar keinen einzelnen großen Grund. Es ist eher dieses diffuse Gefühl, dass dein Leben irgendwie nicht mehr zu dir passt. Und trotzdem veränderst du nichts.
Du denkst zwar darüber nach - Immer wieder… Du stellst dir vor, wie es wäre, wenn du deinen Job wechseln, eine Beziehung beenden, eine Freundschaft loslassen oder einfach einmal etwas ganz Neues ausprobieren würdest…
Aber dann kommen die Zweifel und Unsicherheiten hoch: „Und was, wenn es danach noch schlimmer ist?“ - Also bleibst du da, wo du bist… 😥
Vielleicht redest du dir ein, dass es eigentlich gar nicht so schlimm ist. Du gewöhnst dich daran. Du sagst dir, dass andere es schließlich auch nicht leichter haben. Oder du verschiebst die Entscheidung einfach noch ein bisschen… auf nächste Woche, nächsten Monat oder irgendwann, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist - Nur kommt dieser Zeitpunkt oft nicht.
Das Bemerkenswerte daran ist: Selbst wenn wir wirklich nicht besonders zufrieden mit unserem Leben sind, halten wir manchmal trotzdem daran fest. Denn manchmal reicht es einfach schon, dass wir wenigstens wissen, woran wir sind.
Und genau darin liegt ein Teil des Problems.
Denn Veränderung bedeutet nicht nur, etwas Unangenehmes hinter sich zu lassen. Sie bedeutet gleichzeitig auch etwas Vertrautes aufzugeben. Und selbst wenn dieses Vertraute uns nicht glücklich macht, kann es uns trotzdem Sicherheit geben.
Das klingt widersprüchlich 🙃 ist aber menschlich.
Wir gewöhnen uns an Dinge, die uns eigentlich nicht guttun
Vielleicht warst du anfangs noch sehr deutlich mit dir selbst und hast gedacht „So möchte ich nicht behandelt werden“ oder „Dieser Job macht mich auf Dauer kaputt“ oder „Ich kann diese Beziehung so nicht weiterführen“... Doch wenn sich an der Situation langfristig nichts verändert, passiert manchmal etwas eigentlich total Unlogisches und auch ziemlich Merkwürdiges: Wir gewöhnen uns einfach daran. 😵💫
Was uns zunächst gestört hat, wird irgendwann Teil unseres Alltags. Wir hinterfragen es weniger und nehmen es zunehmend als gegeben hin.
Dabei helfen uns dann Gedanken wie:
„So schlimm ist es ja auch wieder nicht.“
„Andere haben es schließlich auch nicht leichter.“
„Vielleicht wird es irgendwann besser.“
Schon mal gehört? Nun - kurzfristig kann das wohl entlastend sein. Schließlich ist es auch anstrengend, ständig mit der eigenen Unzufriedenheit konfrontiert zu werden … Langfristig kann es jedoch dazu führen, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse immer weniger wahrnehmen. Wir funktionieren, wir machen weiter… Und irgendwann fällt uns vielleicht gar nicht mehr auf, dass wir uns mit einem Leben arrangiert haben, das wir so eigentlich nicht wollen.
Deshalb lohnt sich manchmal eine einfache Frage: „Wenn ich mich heute zum ersten Mal in dieser Situation wiederfinden würde - würde ich sie so akzeptieren?“
Die Antwort darauf kann überraschend sein.

Wir warten auf den perfekten Zeitpunkt
Ein weiterer Grund, warum wir nichts verändern, ist der Gedanke „Jetzt ist einfach nicht der richtige Zeitpunkt“ - Manchmal stimmt das sogar. Es gibt durchaus Situationen, in denen wir zunächst andere Dinge regeln müssen… Vielleicht brauchen wir finanzielle Sicherheit, müssen eine wichtige Verpflichtung erfüllen oder benötigen einfach auch erstmal Zeit, um herauszufinden, was wir überhaupt wollen. 🤔
Problematisch wird es, wenn aus einem vorübergehenden Aufschieben ein Dauerzustand wird. Denn dann gibt es immer einen neuen "guten" Grund, warum genau jetzt nicht der richtige Moment ist: Nach dem Urlaub; Wenn die Kinder größer sind; Wenn ich einen neuen Job gefunden habe; Wenn ich endlich mehr Kraft habe…
Das Schwierige daran: Während wir auf den richtigen Zeitpunkt warten, verändert sich meistens nichts… Und vielleicht warten wir insgeheim sogar auf etwas, das es gar nicht geben kann: den Moment, in dem wir keine Zweifel mehr haben.
Doch bei wichtigen Entscheidungen gibt es diese hundertprozentige Sicherheit oft nicht… Wir können uns gut überlegen, was wir möchten. Wir können Informationen sammeln und Risiken abwägen. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem wir trotz einer gewissen Unsicherheit entscheiden müssen.
Vielleicht brauchen wir deshalb nicht den perfekten Zeitpunkt - Vielleicht reicht einfach nur, einen guten Grund zu haben, um anzufangen. 😉
Auch Nicht-Verändern ist eine Entscheidung
Wenn wir nichts tun, fühlt es sich oft so an, als hätten wir überhaupt keine Entscheidung getroffen. Aber auch das Nicht-Verändern hat eine Konsequenz.
Wenn du z.B. in einem Job bleibst, der dich unglücklich macht, entscheidest du dich damit zumindest vorerst dafür, dass dein Arbeitsalltag eben genauso bleibt…
Vorsicht: Das ist hier sicher keine Aufforderung dazu, sofort alles und jeden zum Teufel zu jagen - Im Gegenteil… Es gibt durchaus auch gute Gründe, eine schwierige Situation nicht vorschnell zu verlassen. Aber es lohnt sich definitiv, zumindest einmal den eigenen Handlungsspielraum ehrlich zu betrachten.

Denn zwischen „Ich kann nichts verändern“ und „Ich weiß einfach nur nicht, was ich tun kann“ liegt ein großer Unterschied … und oft ist uns gar nicht mal so klar, was davon jetzt gerade zutrifft - Doch sich dessen bewusst zu werden, ist sehr wichtig, denn sobald wir erkennen, dass wir nicht völlig machtlos sind, verändert sich auch unsere Perspektive.
Vielleicht können wir die Situation tatsächlich nicht sofort lösen - Aber vielleicht können wir dafür etwas anderes tun: Ein Gespräch führen, eine Grenze setzen, eine Alternative suchen… Oder vielleicht auch einfach den ersten Schritt machen, ohne schon zu wissen, wie der letzte aussehen wird. 😎
Wenn wir an Veränderung denken, stellen wir uns häufig gleich die größtmögliche Konsequenz vor: Den Job kündigen, die Beziehung beenden, den Kontakt abbrechen, in eine andere Stadt ziehen, ein völlig neues Leben beginnen… Kein Wunder, dass sich solche Gedanken überwältigend anfühlen können.
Doch zwischen „Alles bleibt, wie es ist“ und „Ich verändere direkt mein komplettes Leben“ gibt es eine unendliche Zahl an Möglichkeiten.
Manchmal beginnt Veränderung deshalb nicht mit einer großen Entscheidung, sondern mit der Erkenntnis: „Ich habe mehr Einfluss auf mein Leben, als ich bisher gedacht habe.“
Je mehr wir investiert haben, desto schwerer fällt das Loslassen
Manchmal halten wir nicht nur deshalb an etwas fest, weil wir Angst vor dem haben, was danach kommt - Manchmal fällt es uns auch einfach schwer loszulassen, weil wir bereits schon so viel investiert haben. Zeit, Energie, Gefühle, vielleicht sogar Geld…
„Ich kann doch nicht nach zehn Jahren einfach aufgeben... Ich habe so viel in diese Beziehung gesteckt... Ich habe so lange für diesen Job gearbeitet... Nach allem, was wir miteinander erlebt haben, kann ich doch nicht einfach gehen.“
Solche Gedanken sind absolut verständlich. Schließlich möchten wir nicht das Gefühl haben, dass all unsere bisherigen Bemühungen umsonst waren. 😅
Doch genau hier kann eine Falle entstehen: Das, was wir bereits investiert haben, können wir leider meist nicht zurückholen - ganz unabhängig davon, wie wir uns heute entscheiden. Wenn wir deshalb also an etwas festhalten, das uns inzwischen nicht mehr guttut, investieren wir möglicherweise nur noch mehr Zeit und Energie in eine Situation, die wir andernfalls vielleicht längst verändert hätten.
Vielleicht ist deshalb hilfreich, sich folgende Frage zu stellen: „Wenn ich heute noch einmal ganz neu entscheiden könnte - würde ich mich wieder dafür entscheiden?“
Die Antwort darauf kann aufschlussreicher sein als der Blick darauf, wie viel wir bereits in der Vergangenheit investiert haben.
Die entscheidende Frage: Was kostet es mich eigentlich, wenn ich nichts verändere?
Wir fragen uns bei Veränderungen oft: „Was könnte passieren, wenn ich diesen Schritt mache? Was, wenn es schiefgeht? Was, wenn ich es bereue? Was, wenn danach sogar alles noch schwieriger wird?“
Diese Fragen sind durchaus legitim. Schließlich sollten vor allem wichtige Entscheidungen nicht völlig unüberlegt getroffen werden… Doch eine Frage wird dabei häufig vergessen:
„Was passiert eigentlich, wenn ich nichts verändere - wenn einfach alles so bleibt, wie es ist?“ 😳
Denn auch wenn wir nichts tun, bleibt unser Leben nicht einfach stehen. Ein unbefriedigender Job kostet weiterhin Kraft. Eine belastende Beziehung kann weiter am eigenen Selbstwert nagen. Eine Freundschaft, die schon lange mehr Energie raubt als gibt, wird das höchstwahrscheinlich auch in Zukunft tun.
Nicht jede Situation muss sofort beendet werden - Aber es lohnt sich, ehrlich hinzuschauen…
Vielleicht ist die wichtigste Frage deshalb gar nicht:
„Habe ich Angst vor Veränderung?“
Sondern:
„Ist die Angst vor dem, was passieren könnte, inzwischen größer als der Preis, den ich dafür bezahle, dass alles so bleibt, wie es ist?“
Du musst darauf nicht sofort eine Antwort haben… Aber manchmal verändert sich bereits etwas, wenn wir aufhören, unsere Unzufriedenheit einfach nur auszuhalten und anfangen, sie ernst zu nehmen.

Angst vor Veränderung? So machst du den ersten Schritt
Vielleicht gibt es gerade einen Bereich in deinem Leben, bei dem du schon länger spürst: So möchte ich eigentlich nicht weitermachen. Dann nimm dir einen Moment und beantworte für dich ganz ehrlich diese drei Fragen:
1. Was würde ich gerne verändern? Versuche, nicht darüber nachzudenken, was vernünftig, möglich oder für andere akzeptabel wäre. Was würdest du dir wünschen, wenn du einfach einmal ehrlich zu dir selbst bist?
2. Was hält mich bisher davon ab? Ist es die Angst vor dem, was passieren könnte? Warte ich auf den richtigen Zeitpunkt? Habe ich mich vielleicht schon so sehr an die Situation gewöhnt, dass sie mir inzwischen normal erscheint? Oder fällt mir das Loslassen schwer, weil ich bereits so viel investiert habe?
3. Was wäre ein kleiner erster Schritt? Nicht die komplette Lösung. Nicht die endgültige Entscheidung. Nur etwas, das du tatsächlich tun kannst und das dich ein kleines Stück aus deiner bisherigen Situation herausführt.
Vielleicht stellst du dabei fest, dass du noch gar nicht bereit bist, etwas grundlegend zu verändern. Auch das ist vollkommen in Ordnung. Entscheidend ist nur, dass du deine Entscheidung bewusst triffst - und nicht einfach aus Angst, Gewohnheit oder Unsicherheit dort bleibst, wo du eigentlich längst nicht mehr sein möchtest.
Veränderung beginnt oft früher, als wir denken
Angst vor Veränderung zu haben, bedeutet nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt. Veränderungen bringen einfach immer ein gewisses Maß an Unsicherheit mit sich. Wir können nicht vorher wissen, ob alles so funktionieren wird, wie wir es uns wünschen. Aber vielleicht müssen wir das auch gar nicht…
Vielleicht müssen wir nicht erst völlig angstfrei sein, bevor wir etwas verändern können. Vielleicht reicht es manchmal schon, unsere Angst wahrzunehmen und trotzdem ehrlich hinzuschauen.
Denn am Ende geht es nicht darum, jede Veränderung zu wagen - Sondern einfach darum, dein Leben nicht dauerhaft von der Angst davor bestimmen zu lassen… Und vielleicht ist genau jetzt ein guter Zeitpunkt, dich einmal zu fragen:
In welchem Lebensbereich halte ich gerade an etwas fest, obwohl ich längst spüre, dass es mir nicht mehr guttut?
Vielleicht liegt in deiner Antwort bereits der erste kleine Schritt.
Dein Christian 🫶
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